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Kernplattformen als Innovationsbremse: Warum sich CIOs neu orientieren müssen
KI erfordert Geschwindigkeit, leicht zugängliche Daten und eine modulare Architektur. Ist Ihre derzeitige Plattform noch auf die Zukunft Ihres Unternehmens ausgerichtet?

Ein einziges System, das E-Commerce, Daten und Transaktionen im Einklang mit den Zielen eines Unternehmens skalieren könnte. Das war einst das Versprechen, das viele CIOs davon überzeugte, massiv in eine Kernplattform zu investieren. Nach und nach entwickelte sich diese Plattform jedoch zu einem System, das nur schwer zu aktualisieren und zu warten war. Wie sollte ein CIO mit einer Plattform umgehen, die zunehmend zum Engpass wurde, wenn es darum ging, die Möglichkeiten neuer (KI-)Technologien zügig zu nutzen?
Der britische theoretische Physiker Stephen Hawking sagte einmal: „Intelligenz ist die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen.“ Die Entscheidung für eine neue digitale Plattform schafft die Voraussetzungen dafür, dass Ihr Unternehmen in Zukunft über den nötigen Spielraum und die erforderliche Zeit bis zur Markteinführung verfügt, um auf neue Kundenbedürfnisse und neue Technologien zu reagieren.
Das war einst ein wichtiger Grund dafür, sich für eine zentrale Kernplattform zu entscheiden, die alle Ihre Anforderungen direkt unterstützen und skalieren konnte. Leider nahm die Flexibilität dieser Plattform nach und nach ab, während ständig neue Elemente hinzukamen: ein neuer Kanal, eine Ausnahme, eine Integration, ein Stück benutzerdefinierter Code.
Jede dieser Anpassungen war für sich genommen vertretbar. Zusammen führten sie jedoch zu einer Situation, die sich zunehmend nur noch schwer ändern ließ. Nun, in einer Zeit, in der KI Geschwindigkeit, zugängliche Daten und eine modulare Architektur erfordert, stellt sich die Frage, ob diese Grundlage dem Unternehmen noch dabei hilft, voranzukommen, oder ob sie es tatsächlich behindert. In Gesprächen mit CIOs und CTOs taucht eine neue Frage auf: nicht, wie man weiter optimieren kann, sondern ob die aktuelle Plattform noch zur Zukunft des Unternehmens passt.
Wenn die Komplexität schneller wächst als das Geschäft
Die Muster zeichnen sich allmählich ab, doch die Signale sind eindeutig. Unternehmen sehen sich mit steigenden Betriebskosten konfrontiert, während die Teams immer größer werden, nur um relativ standardmäßige Funktionen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig dauern selbst kleine Änderungen immer länger, und es entsteht eine Abhängigkeit von einer begrenzten Anzahl von Experten.
Was als Individualisierung zur Schaffung von Flexibilität begann, hat sich zu einer Situation entwickelt, in der jede Änderung komplex und kostspielig ist. Die zugrunde liegende Dynamik ist unerwünscht: Systeme, die einst auf Skalierbarkeit ausgelegt waren, führen stattdessen zunehmend zu einer Zunahme der Komplexität.
KI deckt die Schwachstellen auf
Während dieses Problem früher vor allem Kosten und Geschwindigkeit betraf, kommt nun ein weiterer Faktor hinzu: KI. Viele Unternehmen stellen fest, dass ihre Plattform nicht nur langsam ist, sondern auch schlecht auf KI-Anwendungen vorbereitet ist. Die Daten sind fragmentiert, von uneinheitlicher Qualität, nicht in Echtzeit verfügbar oder schwer zugänglich. Die Integration von KI-Modellen oder agentenbasierten Systemen erfordert daher einen unverhältnismäßig hohen Aufwand. Die Konsequenz ist klar: Unternehmen mit einer unflexiblen Plattform geraten bei der effektiven Nutzung von KI ins Hintertreffen.
Die zentrale Frage für CIOs
Damit wird die Diskussion auf eine grundlegendere Ebene verlagert. Unterstützt die Plattform die Ziele der Organisation, oder schränkt sie diese vielmehr ein? Die Antwort darauf entscheidet darüber, ob eine Optimierung weiterhin sinnvoll ist oder ob strukturelle Veränderungen erforderlich sind.
Von der Optimierung bis zur Neugestaltung
Unternehmen, die diese Frage ernst nehmen, durchlaufen in der Regel drei Schritte: Erkenntnis, Entscheidung und Umsetzung.
1. Erkenntnis: Wo liegt das eigentliche Problem?
Eine effektive Analyse berücksichtigt nicht nur die Technologie, sondern auch die Daten und die Organisation selbst. Dabei geht es um das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen, die Geschwindigkeit der Bereitstellung sowie den Grad, in dem die Organisation von spezifischem Wissen abhängig ist. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die Datenqualität sowie die Eignung für den Echtzeit-Einsatz und für KI-Anwendungen entscheidende Faktoren sind.
2. Entscheidung: Welcher Weg ist der richtige für die Zukunft?
Auf der Grundlage dieser Analyse ergeben sich in der Regel drei Vorgehensweisen. Unternehmen können sich für eine Vereinfachung entscheiden, indem sie die Komplexität reduzieren und Standardisierungen vornehmen. Eine weitere Option ist die Umstellung auf eine neuere technologische Basis („Replatforming“). In Fällen mit weitreichenderen Auswirkungen entscheiden sich Unternehmen dafür, ihre Plattform vollständig als neues, modulares Ganzes neu aufzubauen. In der Praxis erweisen sich Unternehmen, die explizit auf modulare Architekturen und Standardkomponenten setzen, als besser in der Lage, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit wiederherzustellen. Insbesondere in Kombination mit daten- und KI-gesteuerten Anwendungen bietet dieser Ansatz mehr Kontrolle.
3. Umsetzung: Erneuerung, ohne stillzustehen
Die größte Herausforderung liegt in der Umsetzung. Wie lässt sich eine Plattform erneuern, ohne den Geschäftsbetrieb zu stören? In der Praxis greifen Unternehmen auf eine Reihe bewährter Ansätze zurück. Komponenten werden schrittweise nach dem sogenannten „Strangler-Muster“ ersetzt, während neue Funktionen parallel zur bestehenden Plattform entwickelt werden. Gleichzeitig sorgen APIs für eine klare Trennung zwischen Alt- und Neusystem, wodurch Migrationen auf kontrollierte Weise erfolgen können.
Dieser Ansatz ermöglicht es, die Entwicklung kontinuierlich fortzusetzen, während die Grundlage erneuert wird. Gleichzeitig entsteht so eine Architektur, in die neue Funktionen, wie beispielsweise KI, schneller und einfacher integriert werden können.
Beginnen Sie dort, wo die Wirkung am größten ist
Erfolgreiche Unternehmen entscheiden sich selten für einen allumfassenden Ansatz. Stattdessen gehen sie gezielt an den Stellen ansatz, an denen die Wirkung am größten ist. Dabei handelt es sich häufig um Komponenten mit hohen Kosten oder eingeschränkter Flexibilität, aber auch um Bereiche, in denen Innovationen behindert werden oder in denen KI einen direkten Mehrwert schaffen kann.
Denken Sie beispielsweise an die Personalisierung in digitalen Kanälen, verbesserte Suchfunktionen oder die Automatisierung von Kundeninteraktionen. Wenn Sie hier ansetzen, lassen sich schnell sichtbare Ergebnisse erzielen, was dazu beiträgt, Unterstützung innerhalb des Unternehmens zu gewinnen.
Sowohl die Technologie als auch die Organisation müssen sich ändern
Eine immer wiederkehrende Erkenntnis ist, dass Plattformprobleme selten rein technischer Natur sind. Auch die Arbeitsweise von Organisationen spielt eine wichtige Rolle. Entscheidungsprozesse sind oft von komplexen Abhängigkeiten geprägt, entscheidendes Wissen liegt bei einer kleinen Anzahl von Personen, und ein Großteil der Zeit fließt in die Koordination statt in die Umsetzung.
Aus diesem Grund erfordert die Erneuerung der Plattform auch organisatorische Veränderungen. Es geht um klare Zuständigkeiten für Systeme und Daten, um Teams, die durchgängig verantwortlich sind, und um eine Arbeitsweise, die die Abhängigkeit von einzelnen Experten verringert. Ohne diese Veränderungen wird die Komplexität bestehen bleiben, unabhängig davon, welche Technologie gewählt wird.
Von der Plattform zur Grundlage für KI
Die führenden Unternehmen betrachten die Erneuerung ihrer Plattformen nicht als IT-Projekt, sondern als strategische Neuausrichtung. Das Ziel ist nicht nur ein stabileres System, sondern eine Grundlage, die Daten in den Mittelpunkt stellt, modular aufgebaut ist und neue Funktionen schnell unterstützen kann. Dies ermöglicht den tatsächlichen Einsatz von KI-Anwendungen – einschließlich fortgeschrittenerer und eigenständiger Systeme – in großem Maßstab. Dies erfordert andere Designentscheidungen als in der Vergangenheit, mit weniger maßgeschneidertem Code und einer stärkeren Nutzung von Standard- und Managed Services.
Fazit: Es ist keine Frage der Optimierung, sondern eine Frage der Entscheidung
Für viele CIOs ist die Schlussfolgerung eindeutig. Bei Kernplattformen geht es nicht mehr ausschließlich um Optimierung, sondern um die Wahl der richtigen Lösung. Investieren Sie weiterhin in eine komplexe Infrastruktur oder entscheiden Sie sich für eine gezielte Neuausrichtung? Unternehmen, die erkennen, wie sich die zunehmende Komplexität auf ihre Handlungsfähigkeit auswirkt, können darauf reagieren, indem sie ihre Kernplattformen neu gestalten. Damit schaffen sie die Grundlage, um schneller zu agieren, besser auf Veränderungen zu reagieren und KI sinnvoll einzusetzen.
Verfasst von

Joris Conijn
Joris is the AWS Practise CTO of the Xebia Cloud service line and has been working with the AWS cloud since 2009 and focussing on building event-driven architectures. While working with the cloud from (almost) the start, he has seen most of the services being launched. Joris strongly believes in automation and infrastructure as code and is open to learning new things and experimenting with them because that is the way to learn and grow.
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