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Agiles Requirements Engineering in HERMES 2022

21 Nov, 2022
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Der Fokus ist auch bei der agilen Umsetzung in HERMES 2022 nach wie vor stark auf den Dokumenten. Und obwohl es heisst: «Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation» ist dies in nicht wirklich spürbar. Dies beeinträchtig auch den RE-Prozess in der agilen Umsetzung von HERMES 2022. Weshalb wir an dieser Stelle die wichtigsten Eckpunkte für ein effizientes Vorgehen kurz erläutern. 

Eckpfeiler in der Initialisierung 

Im agilen Requirements Engineering werden die Anforderungen auf verschiedenen Granularitätsstufen erfasst. Häufig wird in diesem Kontext von Epic, Feature und User Storys gesprochen. Diese Granularitätsstufen sind massgeblich mitentscheidend, ob die agile Umsetzung von IT-Projekten gut läuft oder nicht. Denn wer in der Initialisierungsphase bereits sehr detaillierte Anforderungen ermittelt und dokumentiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Änderungen bei der agilen Umsetzung erfahren. Wird die Granularitätsstufe jedoch «Grob» gehalten (Epic, Feature), reduziert dies die Anzahl Änderungen im Laufe der Umsetzung drastisch, ohne dabei wichtige Randbedingungen für die Umsetzung zu vernachlässigen.  

Ein zweiter Schlüsselfaktor ist der Phasenübergang von der Initialisierung hin zur agilen Umsetzung. Um eine effiziente Übergabe und Übernahme der Informationen zu gewährleisten, lohnt es sich, bereits in der Initialisierung in Epics und Features zu denken und zu dokumentieren. Dies erspart in der Praxis die mühsame Umstrukturierung der Informationen und ermöglicht einen effizienten Start in der agilen Umsetzung. Nebst dem sie so einfach in das zu verwendende Tool (z.B. Jira) integriert werden können.

Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumente

HERMES 2022 zitiert das agile Manifest und so auch das folgende: «Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation». Doch leider ist dies in der Flut von Dokumenten und den Ergebnissen in HERMES 2022 nur wenig spürbar. Auch wenn in HERMES 2022 agil umgesetzt werden kann, verschenkt HERMES 2022 hier viel Potenzial auf Besserung und verlangsamt durch viel Schreibarbeit und benötigte Abnahmen den Fortschritt der wahren Messgrösse, die funktionierende Software. Nichtsdestotrotz gibt es eine Möglichkeit, auch in HERMES 2022 die benötigte Lösungsdokumentation effizient zu erstellen.

In agilen Vorgehensweisen unterscheiden wir klar zwischen der Dokumentation von Anforderungen und der Dokumentation der umgesetzten Lösung. Wie oben erwähnt, werden die Anforderungen in Product Backlog Items dokumentiert und kontinuierlich und bis zur Umsetzung verfeinert. Im Gegenzug folgt die Lösungsdokumentation im Idealfall parallel zur Umsetzung oder direkt im Anschluss. Aufgrund der Vorgaben von HERMES 2022 sind sie sogar als Teil des Produktes zu betrachten. Gibt es Anpassungen oder Erweiterungen der bestehenden Lösung, werden die Anforderungen auch hier als Backlog-Item erfasst und die damit verbundenen Lösungsdokumente angepasst oder erweitert.

Kollaboration vor Dokumentation

Agiles RE oder RE@Agile wie es IREB nennt, wird in einem agilen Framework als kontinuierlichen Prozess betitelt. Dabei beschreibt IREB den agilen RE-Prozess als ein iterativer, inkrementeller und kollaborativer Prozess. Er baut also darauf auf, dass die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt über die richtigen Themen miteinander sprechen (kollaborativ). Mit dem Vorteil, dass aufgrund der kontinuierlichen Kommunikation Grob- und Detailkonzepte zu grossen Teilen überflüssig werden. Die Ergebnisse der Diskussionen werden als Anforderungen und Kundenbedürfnisse direkt in den Productbacklog Items dokumentiert und kontinuierlich verfeinert. Oder wie HERMES 2022 schreibt: «Die Anforderungen werden laufend konkretisiert, verfeinert, vervollständigt, dass sie in einer Iteration umgesetzt werden können.»

Hermes 2022: Just in time specification
Just in Time Specification (Quelle: SwissQ)

Die in der Initialisierung gesetzten Randbedingungen gilt es in der Umsetzung zu validieren und auf Vollständigkeit zu prüfen und falls notwendig zu komplettieren. Diese müssen auch in agilen Vorgehensweisen von Beginn weg genau so klar sein wie in Phasenmodellen. 

5 Tipps für die Praxis

Auch in agilen Vorgehensweisen hat der klassische RE-Prozess von IREB seine Gültigkeit. Denn auch in agilen Vorgehenswiesen erheben, dokumentieren, validieren und managen wir die Anforderungen. Allerdings tun wir dies kontinuierlich und sehr bewusst auf verschiedenen Granularitätsstufen. Die Basis legen die grobgranularen Anforderungen aus der Initialisierungsphase, die als Randbedingung zu betrachten und in der Umsetzung zu komplettieren und verfeinern sind.

Damit die agile Umsetzung auch aus agiler RE-Perspektive gelingt hier fünf Tipps für die Praxis: 

  1. Definiert einen agilen RE-Prozess und optimiert diesen regelmässig in den Retrospektiven.
  2. Gestaltet ein Template für die genutzten Granularitätsstufen der Anforderungen.
    und hinterfragt in regelmässigen Abständen, ob die benötigten Informationen auch enthalten sind. Häufig ist dies auf Level User Story klar, die grosse Varianz beginnt meistens mit den Features und den Epics.
  3. Ein Vorgehen, das beim Start von agilen Vorgehen hilft, ist der sogenannte T-Approach. Bei diesem gilt es als erstes grob die relevanten Themen zu identifizieren und erst in einem zweiten Schritt abhängig der gesetzten Prioritäten in die Tiefe zu gehen. Dieses Vorgehen ist in der Initialisierungsphase wie auch zu Beginn der Umsetzung hilfreich und ermöglicht es, die Ressourcen effizient einzusetzen. 
  4. Sind die groben Anforderungen identifiziert, dokumentiert und vor allem priorisiert, kommt das Prinzip der «Just in Time Spezifikation» zum Zuge. Heisst wir analysieren dort die Details, wo wir wissen, dass diese als Nächstes umgesetzt werden.
  5. Auch altbewährte Dokumentationsarten wie UML- oder BPMN-Modelle aber auch Klassendiagramme etc. sind erlaubte Hilfsmittel im agilen RE. Werden allerdings iterativ und inkrementell erstellt bzw. erweitert.

Gutes gelingen

Aufgrund der fehlenden Leitplanken in Bezug auf agiles Requirements Engineering bedarf es Ressourcen mit der notwendigen Expertise. Die Basis hierfür legt auch im agilen Vorgehen IREB mit ihren Kursen RE@Agile Primer und Advanced Level. Die benötigte Dokumentation aufgrund der Governance von HERMES ist ein Stolperstein, aber kein unüberwindbares Hindernis. Sie sollte allerdings als Teil des Produktes betrachtet werden und in schlanker Manier kontinuierlich iterativ, inkrementell erweitert werden.

Weitere Blogs, in welchen wir die Änderungen in HERMES 2022 bezüglich der agilen Vorgehensweise in der IT-Entwicklung oder IT-Adoption aus Sicht der «ART of SwissQ» - Agile, Requirements und Testing - näher betrachtet werden, findest du hier.

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